Freiwillige Sterilisation in der Schweiz - Warum es dazu Bewusst steril braucht
- Sabrina Vollenweider

- 7. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Zwischen Wunsch und Realität
Freiwillige Sterilisation in der Schweiz ist bei urteilsfähigen, erwachsenen Menschen legal und wirkt auf den ersten Blick wie eine klare Sache: Eine Person trifft eine persönliche Entscheidung – und setzt sie mit medizinischer Unterstützung um.
In der Praxis zeigt sich jedoch schnell: So einfach ist es oft nicht.
Viele Menschen, die sich mit einer Sterilisation auseinandersetzen, stehen vor ähnlichen Fragen. Wo finde ich verlässliche Informationen? An wen kann ich mich wenden? Und werde ich mit meiner Entscheidung ernst genommen?
Genau hier beginnt unsere Geschichte.
Was wir gesehen haben
Im Rahmen einer Abschlussarbeit eines Studiums im Bereich sexuelle Gesundheit haben wir 2025 eine Umfrage unter über 1’000 Personen im deutschsprachigen Raum durchgeführt, die sich mit freiwilliger Sterilisation auseinandergesetzt haben.
Viele Befragte beschrieben ihre Entscheidung als gut überlegt und langfristig gewachsen. Die Beweggründe waren unterschiedlich, aber oft geprägt von einem bewussten Umgang mit der eigenen Lebensplanung, dem Wunsch nach Selbstbestimmung und persönlichen oder gesundheitlichen Überlegungen.
Die Entscheidung selbst war für viele klar. Der Weg dorthin jedoch oft nicht. Denn was durch die Umfrage sichtbar wurde, waren wiederkehrende Muster.
Was sich wiederholt
In den Rückmeldungen zeigte sich, dass sich bestimmte Erfahrungen im Kontakt mit dem Gesundheitssystem wiederholen.
Ein Teil der Befragten berichtete, dass sie mehrere Anläufe brauchten, bis sie eine Fachperson fanden, die ihre Anfrage überhaupt in Betracht zog. Andere schilderten Gespräche, in denen ähnliche Vorbehalte geäussert wurden:
Du bist zu jung. Nicht bei jemandem, der keine Kinder hat. Was ist, wenn Sie es später bereuen? Was sagt denn Ihr Partner dazu? Was, wenn Ihr zukünftiger Partner Kinder möchte?
Solche Aussagen sind nicht in jedem Gespräch präsent – aber sie tauchen oft genug auf, um ein Muster zu erkennen.
Gleichzeitig ist wichtig: Es gibt auch andere Erfahrungen.
Viele Teilnehmende berichteten von respektvollen, sachlichen und professionellen Beratungen. Diese zeigen, dass eine gute Begleitung möglich ist – und bereits stattfindet.
Freiwillige Sterilisation in der Schweiz - Was fehlt
Trotz unterschiedlicher Erfahrungen wurde eines besonders deutlich: Der Zugang zu verlässlichen Informationen ist oft schwierig.
Viele Befragte berichteten, dass sie sich Wissen selbst erarbeiten mussten. Dass unklar war, welche Voraussetzungen gelten. Oder wo überhaupt Anlaufstellen zu finden sind.
Warum daraus ein Verein wurde

Aus diesen Beobachtungen heraus entstand Bewusst steril.
Unser Anliegen ist es, bestehende Grundlagen sichtbar und verständlich zu machen: rechtliche Rahmenbedingungen, medizin-ethische Leitlinien und menschenrechtliche Perspektiven.
Denn diese existieren – sie sind nur nicht immer leicht zugänglich.
Ebenfalls möchten wir eine Liste von möglichen Anlaufstellen aufbauen, in der Ärzt*innen verzeichnet sind, die Sterilisationen durchführen.
Was wir beitragen möchten
Bewusst steril versteht sich als Informations- und Vernetzungsstelle.
Wir möchten dazu beitragen, dass Menschen sich fundiert informieren können – unabhängig davon, ob sie sich für oder gegen eine Sterilisation entscheiden.
Dazu gehört:
– verständlich aufbereitete Informationen
– eine Übersicht von Anlaufstellen in der Schweiz
– Materialien für Betroffene und Fachpersonen
Wichtig ist uns dabei: Jede Entscheidung bleibt individuell.
Ein Anfang
Die Ergebnisse unserer Umfrage sind nicht repräsentativ. Aber sie zeigen deutlich, dass bestimmte Fragen und Erfahrungen immer wieder auftreten.
Bewusst steril ist ein Versuch, diese sichtbar zu machen und einzuordnen.

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